Review: Trüberbrook

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An einigen Orten herrscht ein komisches Gefühl und man geht direkt davon aus, dass etwas nicht stimmt, und man kann meist nicht sofort sagen, was das bedrückte Gefühl hervor ruft.
Ist es nur der komische Unterton in der Stimme der Wirtin, den man einfach nicht einschätzen kann – oder die bedrückende Stille im Wald, in welchem man bei dieser Idylle eigentlich Vögel erwarten würde. Vielleicht ist es aber auch der Gärtner, der dich beobachtet wenn du am Haus vorbeiläufst. Oder ist es vielleicht auch der alte Mann, der seine Mietzekatze sucht, die aber für den Spieler eindeutig ein Fuchs ist.

Oft sind diese Orte abgeschnitten von der Aussenwelt, schwer zu erreichen und oft Isoliert und setzen uns direkt bei der Ankunft ein gewisses Gefühl der Bedrückung auf, welches uns während der Dauer des Aufenthalts nicht mehr verlässt. „Twin Peaks“ ist zum Beispiel einer dieser Orte oder auch „Bright Falls“ aus Alan Wake. Oder wie wir dem Spieltitel entnehmen können der Schauplatz des gleichnamigen Point-and-Click-Adventure „Trüberbrook“

 

Ungewöhnlich ist oft auch gut!

Das es sich bei Trüberbrook um keinen gewöhnlicher Ort handelt, wird einem bereits in den ersten Minuten des Spiels vor die Füsse gelegt. Ein VW-Bus quält sich eine Strasse empor, hinter dem Pass wird ein hübscher See mit Waldumrandung sichtbar. Der Bus lässt Hans Tannhauser, US-amerikanischer Quantenphysiker, der durch ein Preisausschreiben einen Aufenthalt in der süddeutschen Provinz des Jahres 1967 gewonnen hat in Trüberbrook raus. Das Seltsame dabei: Hans Tannhauser hat nie bei einem solchen Gewinnspiel mitgemacht, tritt die Reise aber dennoch an.

Im Dorf angekommen, häufen sich die Merkwürdigkeiten: Gleich in der ersten Nacht wird Hans bestohlen, denn ein Eindringling stiehlt wichtige Unterlagen aus seinem Koffer. Ein Hotelgast erzählt ihm von einem protogermanischen Kult, der in den Bergen um Trüberbrook Rituale abhalten soll.  Auf dem Weg zu einem verfallenen Bergwerk landet Hans unvermittelt in einem gruseligen Sanatorium, in welchem ihm der Arzt Dr. von Schreck diversen Experimenten unterzieht. Später muss Hans dann sogar die Welt retten…

Mystery oder doch eher Mau?

“Trüberbrook” klingt Mystery und Action. Und doch ist das Point-and-Click-Adventure in den ersten vier Stunden von seiner rund achtstündigen Spieldauer sehr ruhig, ja fast schon zurückhaltend und mysteriös inszeniert. Gemächlich reisen wir uns von Rätsel zu Rätsel und geniessen die schön in Szene gesetzte Umgebung. Die Rätsel sind für eingesessene des Genres keine sonderlich grossen Herausforderungen. Monkey Island, Myst oder sogar Thimbleweed Park bringen hier schwierigere Rätsel mit sich. Denn mal gilt es die “Katze” des alten Mannes wiederzubeschaffen, dann eine Seilbahn zu reparieren, dann wieder einen labyrintartigen Weg aus dem Grusel-Sanatorium zu finden. Die Lösungsketten gehen selten über drei oder vier Stationen hinaus und erfordern kein wahnwitziges Um-die-Ecke-Denken, wie wir das aus den Klassikern wie “Monkey Island” oder “Day of the Tentacle” kennen. (Ja, das Auto waschen, damit es regnet… kommt leider nicht vor.) Stattdessen wird der Fuchs herkömmlich mit einer Konservendose angelockt, für die man wiederum einen Öffner braucht, der aber nicht sofort vorhanden ist und so weiter, und so fort.

Sehr schade ist, dass die kombinierbarkeit der Gegenstände im Inventar fehlt, zwar besitzen wir Inventar und können so die gefundenen Gegenstände verwende aber wir können diese nicht miteinander kombinieren – Das schränkt die Anzahl der Lösungsmöglichkeiten deutlich ein.

Wählen wir einen Gegenstand an, den wir unterwegs finden, dann poppt das Menü automatisch die hier nutzbaren Gegenstände aus dem Inventar vor. Man kommt also gar nicht erst auf die Idee, seltsame Kombinationen auszuprobieren und die Fantasie spielen zu lassen.

Für Point-and-Click-Anfänger sind die Rätsel sehr gut geeignet, weil sie stets übersichtlich und nachvollziehbar bleiben. Doch wer schon einmal den rätselabhängigen Humor der LucasArts-Adventures oder die Exzentrik von Daedalics “Deponia” genossen hat, wird beides auf jeden Fall vermissen. “Trüberbrook” versucht, Humor allein über die skurrilen Charaktere und deren Dialoge zu erzeugen. Dies gelingt leider nicht immer.

Das Studio und die Kampagne

Dass das Spiel des deutschen Studios btf so brav daherkommt, war nicht unbedingt zu vermuten. Als Kickstarter-Projekt gestartet, sorgte “Trüberbrook” für einigen Wirbel und sammelte bereits nach den ersten 2 Tagen die geforderten 80.000 Euro ein – am Ende waren es sogar knapp 200.000 Euro. Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgte die Tatsache, dass neben Schauspielerin Nora Tschirner und Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow auch TV-Komiker Jan Böhmermann seine Mitarbeit zugesagt hatte. btf produziert als vielfältig angelegtes Studio unter anderem die Böhmermann-Sendung Neo Magazin Royal. Besonders Böhmermanns Synchronisationsauftritt als Dr. von Schreck verläuft dann aber doch etwas enttäuschend, weil dieser einfach zu statisch wirkt. Nora Tschirners Darbietung hingegen passt ausgezeichnet zu der kecken Grete, und auch Dirk von Lowtzow weiss zu überzeugen. Speziell aber definitiv ein guter Entscheid war es, dass auch die englischen Stimmen – bis auf die der Hauptfigur Hans – von den deutschen Synchronsprechern geliefert werden; dadurch wird zusätzliche Komik geboten und bringt sogar einen weiteren wiederspiel Wert.

 

Die Kulissen sind atemberaubend!

Die grosse Stärke des Spiels ist seine Atmosphäre. In beeindruckender Liebe zum Detail errichtete btf zunächst Miniaturkulissen von “Trüberbrook” und seiner Umgebung, um diese dann mittels Photogrammetrie zu digitalisieren. Das Dorf, das Wirtshaus und auch die späteren Schauplätze wirken dadurch fast greifbar. Selbst auf kleinsten Details wurde geachtet, etwa Gräser und Schilf sowie Windmesser welche im Winde wehen, oder auf Staubfahnen, die durch Mausklicks entstehen. Noch einmal verdichtet wird die Atmosphäre durch die sehr stimmungsvolle Ausleuchtung: Wenn Hans allein in seinem Zimmer sitzt, kriecht so der Grusel aus allen Ecken. Es lohnt sich hierbei auch das Video „Behind the Scenes“, hier wurde sich extrem ins Zeug gelegt für das Budget. Die Figuren und die Beleuchtung selbst sind das einzige rein digitale Element des Spiels – sie wirken jedoch in ihren Animationen etwas starr.

 

Alles in allem ist “Trüberbrook” ein rundes Spiel geworden, welches jedoch etwas hinter den Erwartungen zurückbleibt. Besonders die erste Hälfte des Adventures verläuft etwas zäh und wenig fordernd. Erst in den zweiten vier Stunden nimmt “Trüberbrook” mächtig an Fahrt auf. Das Spiel ist vor allem etwas für Adventure-Einsteiger. Veteranen greifen lieber gleich zu “Thimbleweed Park” oder zu den alten Spielen.

Was kostet der Spass

“Trüberbrook” erschien am 12.03.2019 für Windows, Linux und MacOS. Der Preis liegt bei rund 30€ (PC/PS4) resp. 40€ für die NSW-Fassung. Der Publisher Headup Games hat angekündigt, dass die Konsolenfassungen (PS4, Xbox One, Switch) Mitte April folgen sollen. Trüberbrook hat eine USK-Freigabe ab 6 Jahren. Der separat einstellbare “Kid-Modus” verhindert zudem, dass Protagonist Hans zwischendurch Zigaretten raucht.

 


Rätsel-Abenteuer im Twin-Peaks Stil welcher dem Genre sehr gerecht wird und im vollsten Vertrauen empfohlen werden kann! ❤️

8.0

Author's rating

Overall rating

Präsentation
9.0
Sound
8.5
Gameplay
7.5
Umfang
7.0
Story-Telling
8.0
The good
  • Genial in Szene gesetzt mit Photogrammetrie
  • Viele Mystery-Momente
  • Skurille Charaktere
  • Gute Synchronsprecher
  • Dichte Atmosphäre durch perfekte Ausleuchtung
The bad
  • Langwieriger Anfang
  • Animationen manchmal etwas Sperrlich
  • Rätsel teils zu simpel

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